Joachim Vahland

High Noon.
Über das Gemeinwohl

Fred Zinnemanns Westernklassiker High Noon (1952) folgt dem Muster des analytischen Dramas. Die Vorgeschichte ist schnell erzählt. Hadleyville ist der Name eines fiktiven Orts, irgendwo im amerikanischen Westen gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Um die vierhundert Einwohner – „a town just old enough to have pleasantly aware of its existence, and to begin thinking of its appearance”, wie es unübersetzbar treffend in Carl Foremans Skript heißt. Zugleich ein Ort mit Vergangenheit, denn es liegt eben fünf Jahre zurück, dass Frank Miller mit seiner Bande die Gegend terrorisiert hat, bis Marshal Will Kane ihn hinter Gitter bringen konnte. Erst zum Tode, dann aufgrund guter Beziehungen zu Haft verurteilt und nun vorzeitig freigekommen, ist Miller entschlossen, Rache zu nehmen und Kane zu töten, wie er seinerzeit angekündigt hatte. Er wird an diesem heißen Sonntag mit dem Mittagszug eintreffen, von drei Mitgliedern seiner Bande ungeduldig erwartet. Es ist zwanzig vor elf, als die Nachricht von Millers baldiger Ankunft in die kleine Hochzeitsgesellschaft platzt, die sich anlässlich Kanes Eheschließung mit der Quäkerin Amy Fowler in den Amtsräumen des Friedensrichters versammelt hat. Das frischgetraute Paar wird von den Anwesenden bedrängt, die Stadt sofort zu verlassen. Kane, der sein Amt bereits niedergelegt hat, zöögert – „I think I ought to stay.” –, lässt sich dann aber doch zum überhasteten Aufbruch drängen – um nach wenigen Meilen und einer heftigen Auseinandersetzung mit Amy – „I’ve got to. That’s the whole thing.” – nach Hadleyville zurückzukehren, wo das Western-Schicksal seinen grosso modo erwartbaren, in wichtigen Details jedoch gleichermaßen überraschenden Lauf nimmt. Die nun einsetzende Handlung – nahezu in Echtzeit erzählt – läuft zwar hinaus auf den genretypischen Showdown, zeigt im Übrigen aber ausschließlich den Marshal auf der – am Ende vergeblichen – Suche nach Mitstreitern sowie die Reaktionen der Bewohner auf die bevorstehende Rückkehr der Ganoven und die zu erwartende Konfrontation.